Me First: Warum für dich zu sorgen kein Egoismus ist

Me First. Als ich das zum ersten Mal wirklich gehört habe, zuckte ich innerlich zusammen.

Zuerst an mich denken? Das hatte sich in meiner Welt nach Egoismus angefühlt. Ich war mit dem Glaubenssatz aufgewachsen, bescheiden zu sein. Zurückzustecken. Für andere da zu sein. Und irgendwie hatte ich tief verinnerlicht, dass meine eigenen Bedürfnisse – wenn überhaupt – ganz hinten in der Warteschlange stehen dürfen.

Das Bild mit den Sauerstoffmasken im Flugzeug kannte ich natürlich. Erst sich selbst, dann anderen helfen. Logisch, rational, einleuchtend. Und trotzdem konnte ich es nicht auf mein Leben übertragen.

 

Selbstliebe – schön gedacht, schwer gelebt

Dann kam die Zeit, in der mir das Thema „Selbstliebe“ auf sämtlichen Plattformen begegnete. Sich etwas Gutes tun – das klang wunderschön. Morgenroutinen, kleine Rituale, Zeit nur für mich.

Und im Alltag? Fielen genau diese Momente als erstes hinten runter.

Die Kinder brauchten etwas. Im Job stand noch ein To Do an, das dringend erledigt werden musste. Die Selbstliebe war geduldig, sie konnte (oder musste) noch kurz warten. Bis der nächste Tag kam. Und der übernächste.

Irgendwann waren meine Akkus leer. Ich merkte, dass ich schon auf Reserve lief.  Ich war kraftlos, ständig gereizt, innerlich leer.

Das war der Moment, in dem ich verstand: Selbstfürsorge ist keine nette Ergänzung zum Leben. Sie ist die Grundlage.

Leben rempelt dich an, immer

Im Coaching-Programm, an dem ich dieses Jahr teilnehme, bekam ich folgendes Bild mit:

Stell dir vor: Du holst dir auf dem Weg zur Arbeit einen Coffee to Go. Trittst aus dem Café – und wirst angerempelt. Der komplette Inhalt ergießt sich über dich.

Was passiert in dir?

Verfluchst du die Person, die dich angerempelt hat? Schimpfst du auf dich selbst, warum du überhaupt unterwegs etwas trinken musstest?

Jetzt stell dir vor, statt heißem Kaffee wäre Wasser in dem Becher gewesen. Der Schaden wäre deutlich kleiner. Vielleicht kaum der Rede wert.

Die Person, die dich anrempelt, steht stellvertretend für das Leben. Dinge passieren. Unvorhergesehenes, Schwieriges, Ungerechtes. Du kannst es nicht immer kontrollieren, nicht immer vermeiden. Den einzigen Einfluss, den du hast, ist der Inhalt deines Bechers.

Und der steht für den Umgang mit dir selbst.

Frage: Was füllst du gerade in deinen Becher?

Human Design gewährt Blick auf Ursachen

Durch Human Design habe ich verstanden, warum mir Me First so schwerfällt. Ich habe eine ausgeprägte Tendenz zum People Pleasing. Den Drang, für andere da zu sein, etwas leisten zu müssen, gebraucht zu werden. Das ist ein tief verwurzeltes Muster – und es wird vermutlich nie ganz verschwinden.

Und mal ehrlich: diese soziale Ader hat mir bisher auch Türen und Tore geöffnet. Sie hat ihren Preis, keine Frage. Die Balance ist wichtig. Und immer wieder zu mir zurück zu finden.

Wichtig ist zu erkennen, wann es kippt. Und dann verstärkt an meiner Seite zu sehen.

Nicht gegen andere. Sondern für mich.

Schuld ist kein Ausweg – Verantwortung schon

Es gibt eine subtile Falle, in die ich lange getappt bin: das schlechte Gewissen.

Ich habe zwar für mich gesorgt – aber mit einem unguten Gefühl dabei. Auszeiten konnte ich nicht wirklich genießen, sodass sie kaum erholsam waren. Oder ich habe sie mir erst gar nicht genommen, weil ich dachte, dass es mir nicht zusteht. Ich habe keinen Sport gemacht, weil es zeitlich nicht passte. Mir schnell ein Brot geschmiert, statt mir in Ruhe Zeit für ein warmes Mittagessen zu nehmen.

Und dann habe ich mein Umfeld, meinen Job, die Lebensumstände dafür verantwortlich gemacht, dass ich mir keine Zeit für mich nehmen kann.

Heute sehe ich es anders.

Niemand wird kommen und mir eine Auszeit schenken. Ich muss sie mir selbst nehmen. Es ist eine innere Entscheidung, keine Frage der Umstände.

Das bedeutet: Ich übernehme Verantwortung für mich und mein Wohlbefinden. Ich vertraue darauf, dass ich in jedem Moment das Beste tue, was mir möglich ist. Ich stehe zu meiner Entscheidung – auch wenn das schlechte Gewissen manchmal noch leise mitredet.

Das ist unbequemer, als die Schuld nach außen zu geben. Und es ist so viel befreiender.

Sei dir selbst eine gute Freundin

Irgendwann habe ich mich gefragt: Wie würde ich mit einer guten Freundin sprechen, die genau das tut, was ich tue? Die für sich sorgt, Grenzen setzt, eine Entscheidung trifft, die ihr gut tut?

Ich würde sie unterstützen. Ihr sagen, dass sie das richtig toll macht. Verständnis zeigen.

Mir selbst gegenüber war ich lange das genaue Gegenteil davon. Hart. Fordernd. Ungeduldig.

Mitgefühl mit sich selbst bedeutet nicht, sich alles durchgehen zu lassen. Es bedeutet, die Härte rauszunehmen. Verständnisvoll zu sein – auch und gerade mit den eigenen Schwächen, Unsicherheiten und Fehlern. Fürsorglich mit sich umzugehen, wie man es mit einem Menschen tun würde, dem man wirklich wichtig ist.

Me First fängt genau hier an. Nicht bei der Morgenroutine. Nicht beim Sport. Sondern bei dem Ton, in dem du innerlich mit dir sprichst.

Die Haltung dahinter – Trust Release Surrender

Me First ist eine Haltung. Eine Entscheidung, die ich immer wieder neu treffe: Ich achte darauf, was mir gut tut. Was mir wichtig ist. Was sich stimmig anfühlt.

Dafür brauche ich meine innere Autorität. Die Fähigkeit, in mich hineinzuhören, bevor ich Ja sage, bevor ich handle, bevor ich gebe.

Und genau hier verbindet sich Me First mit meiner Lebensphilosophie: Trust. Release. Surrender.

Trust: ich vertraue darauf, dass meine innere Autorität mir zeigt, was richtig für mich ist. Ich muss es nicht immer rational begründen können.

Release: ich lasse los, was nicht meins ist. Die Erwartungen anderer. Alte Glaubenssätze. Das Gefühl, immer funktionieren zu müssen.

Surrender: ich ergebe mich dem, was sich wirklich stimmig anfühlt. Nicht im Sinne von aufgeben. Sondern im Sinne von: ich höre hin – und folge dem.

Diese Lebensphilosophie macht Me First erst möglich. Wer sich selbst vertraut, kann spüren, was er braucht. Wer loslässt, schafft Raum für sich. Wer sich hingibt, muss nicht mehr gegen sich ankämpfen.

Das ist nicht Egoismus. Das ist die Grundlage für alles andere.

Eine Einladung an dich

Ich bin kraftvoller, präsenter und mitreißender, wenn es mir gut geht. Nicht perfekt. Aber gut. Und das spüren die Menschen um mich herum.

Also: Schau in deinen Becher.

Was ist gerade drin? Womit füllst du dich – und womit leerst du dich aus? Was wäre ein kleiner Schritt, um heute etwas mehr für dich zu sorgen?

Me First ist keine pauschale Entscheidung gegen die Anderen.

Es ist ein Ja zu dir selbst.


Ich bin Silvia, und ich begleite Frauen auf ihrem Weg zu innerer Klarheit, weil ich selbst erfahren habe, wie befreiend es ist, den eigenen Wert unabhängig von äußerer Bestätigung zu erkennen – damit sie aus ihrer authentischen Kraft heraus ein Herzbusiness erschaffen können, das wirklich zu ihnen passt statt fremden Erwartungen zu folgen.

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Trust Release Surrender – die Philosophie, die ich lebe